Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium und ein bisschen Tango

What is the truth behind class sizes?

Eines der größten Rätsel im Zusammenhang mit Hatties Ranking ist, warum die Klassengröße (mit 0,21) eine offenbar so geringe Bedeutung hat, wo man doch als „Praktiker“ immer meint, dass der Unterricht in einer kleineren Klasse effektiver ist bzw. sein müsste. Im folgenden Video erklärt Hattie, warum es in Wirklichkeit alles ein bisschen komplizierter ist:

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Use of L1 in EMI

Use of L1 in EMI is associated with better outcomes in English proficiency. […]

The L1 is also tied to cognitive development, and the better a student develops in terms of cognition, the better a learner they become, which enhances language acquisition as well.

Given what we now know conclusively about the importance for all students of having their first languages involved in their learning experiences, there is no longer any excuse for not making this happen.

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Es geht zwar um English medium instruction (Wikipedia), lerntheoretische Erkenntnisse gelten aber für unseren Fremdsprachenunterricht natürlich genauso. Für jeden, der sich auch nur ein bisschen mit der Materie beschäftigt hat und z.B. Prof. Butzkamm kennt, sind das alles Uralt-Binsen, aber die Tatsache, dass diese „Erkenntnisse“ in einer renommierten englischen Studie erscheinen, lässt hoffen, dass auch wir irgendwann mal wieder von unserem unsinnigen „English only“ Ansatz wegkommen. Und wenn’s der Sache dient, nehme ich dafür sogar einen bescheuerten Begriff wie serendipitous translanguaging in Kauf. 😉

Group Work That Works

The idea of getting kids to work and learn together is not new, and it can have a potent effect on students’ learning. Group work works – but only if you do it well.

Otherwise, you will find that some students dominate, other students chat and some sit back and do as little as they possibly can. Simply placing students into groups and asking them to work together will not help them to learn. Sadly, that is exactly what many teachers do.

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Homeprep statt Homework

Hausaufgaben SIND sinnvoll, man muss sie nur richtig stellen:

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Fremdsprachig unterrichten – wie schaffe ich das?

Falsch ist aber auch das völlige Beiseitelassen der L1, als ob es sie nicht gäbe, der Verzicht auf ihre Mithilfe – die allenfalls bei grammatischen Erklärungen erlaubt war. Falsch ist die schlichte Devise: so wenig Muttersprache wie möglich, weil sie auf der Unkenntnis ausgearbeiteter bilingualer Lehrtechniken  beruht. Man hat das Kind mit dem Badewasser ausgeschüttet. Das kann zu so etwas wie unterlassener  Hilfeleistung führen. Ich will Ihnen vornehmlich zeigen, wie man die Muttersprache nicht einfach bloß erlaubt, sondern zum Bündnispartner macht, und zwar so, dass man die fremdsprachliche Verständigung im Unterricht fördert, statt sie zu behindern.

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Schüleraktivierender Unterricht

Schon seit ein paar Jahren ist „schüleraktivierend“ das didaktische Zauberwort. Alles was Schüler „aktiviert“ ist von vorneherein positiv, wozu sie aktiviert werden und wie sinnvoll diese Aktivität ist, wird hingegen nur selten thematisiert.

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HW Indian Tech Support

Watch the following video. As usual prepare a short talk.

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HW David Crystal on Indian English

Watch the following video (trajectory = Flugbahn, hier: Entwicklung). As usual stop the video from time to time and repeat in your own words what Mr Crystal said. Prepare a short talk.

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Wozu eigentlich noch unterrichten?

Damit Schüler etwas lernen!

Wozu sollen sie (zumindest in Bayern) außer Wortschatz und Grammatik etwas lernen, wenn sie spätestens in der Mittelstufe gelernt haben, dass die INHALTE des Unterrichts völlig irrelevant sind. Die einzige Funktion von Lektionstexten ist es, Wortschatz und Grammatik zu transportieren. WORUM es in den Texten geht, interessiert niemanden, denn Wissen darf ja nicht mehr abgeprüft werden. Völlig egal, ob es um Charles Darwin, die industrielle Revolution oder das amerikanische Bildungssystem geht – im schlimmsten Fall stellt der Lehrer in der nächsten Stunde bei der „Rechenschaftsablage“ (= mündliches Ausfragen) ein paar Inhaltsfragen, danach kann man alles problemlos vergessen, denn in einem „großen Leistungsnachweis“ (= Schulaufgabe, Klausur) darf es ja nicht mehr abgeprüft werden. Das ist völlig absurd, denn eigentlich gilt zumindest in Bayern laut LehrplanPLUS ein völliger anderer Kompetenzbegriff:

Kompetent ist eine Person, wenn sie bereit ist, neue Aufgaben- oder Problemstellungen zu lösen, und dies auch kann. Hierbei muss sie Wissen bzw. Fähigkeiten erfolgreich abrufen, vor dem Hintergrund von Werthaltungen reflektieren sowie verantwortlich einsetzen.

Nehmen wir ein Beispiel aus meiner 11ten. Da haben wir uns im ersten Halbjahr mit den Midterm Elections beschäftigt. Um deren Bedeutung zu verstehen, muss man wiederum das US System of Government zumindest in groben Zügen kapiert haben. Im G9 war es noch völlig normal, im G8 war es zumindest bis vor ein paar Jahren noch geduldet, dass die Schüler in einer Klausur ihr Wissen „erfolgreich abrufen“ mussten: Describe the system of checks and balances and give one example for each „direction“. (Das mit der „direction“ haben wir natürlich vorher im Unterricht besprochen und geübt, also wie kann der Präsident z.B. den Supreme Court „kontrollieren“ und welche Rechte hat andersherum das Oberste Gericht.) Auf diese Aufgabe konnten sich die Schüler vorbereiten, sie konnten und mussten etwas LERNEN: Ein paar Zahlen (100 Senators, 435 Representatives, 4 year term …) und vor allem Wortschatz (appoint a judge, override a veto, declare a bill unconstitutional, usw).

Ist dieses Wissen relevant? Ja, meiner Meinung nach unbedingt. Ständig sind auch wir in Deutschland von Trumps fast unbegrenzter Machtfülle betroffen. Egal, ob es um Handelskriege und deren Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft, das trans-atlantische Bündnis, etc. geht, man kann all das nur verstehen, wenn man ein entsprechendes Basiswissen besitzt.

Als ich angefangen habe zu unterrichten, hat man ganz selbstverständlich „Landeskunde“ unterrichtet, weil es allgemeine Übereinkunft war, dass ein gebildeter Mensch etwas über andere Länder, in dem Fall den englisch-sprachigen Raum, wissen sollte. Noch 2011 erschien:

Cornelsen "Abitur-Wissen"

Irgendwann kam dann die „interkulturelle“ Kompetenz daher. Wissen war nun kein „Selbstzweck“ mehr, sondern hatte die Funktion, einen potentiellen Besucher der USA für bestimmte Themen zu sensibilisieren. Also sollten Schüler zum Beispiel etwas über die Rolle der Religion in den USA lernen und wissen, um entsprechende Fettnäpfchen zu vermeiden.

Hat „landeskundliches“ Wissen etwas mit „kommunikativer Kompetenz“ zu tun? Natürlich, allerdings hängt die Antwort auf diese Frage von der Definition von „Kommunikation“ ab und in welchen kommunikativen Situationen wir uns unsere Schüler „im richtigen Leben“ vorstellen. ICH hätte gerne, dass meine Schüler zum Beispiel mit einem politisch interessierten Besucher aus USA angemessen das amerikanische und deutsche Regierungssystem vergleichen und kommentieren können.

Was das Ministerium bzw. sein Vertreter, Ministerialrat Gruber, unter „Kommunikation“ versteht, erfährt man ja leider nicht. Überhaupt werden neue Bestimmungen so gut wie nie begründet, Lehrer werden zu Befehlsempfängern degradiert. War da nicht mal in grauer Vorzeit irgendwas mit „mündigen“ Pädagogen, denen man einen Ermessensspielraum, z.B. bei der Bewertung von Arbeiten zugestanden hat? In letzter Zeit ertrinkt man in einer Flut von Vorschriften, die bis ins letzte Detail regeln, wie irgendwas zu bewerten ist. Dem Lehrer überlassen, wie verschiedene Teile einer Klausur gewichtet werden, weil er am besten weiß, was er wie intensiv behandelt hat? Wo kommen wir denn da hin, das Ministerium weiß das viel besser. Ein Schwellenwert von 33% für die Note 5 ist für einen kurzen, rein reproduktiven Vokabeltest nicht angemessen (immerhin galten die 33% bis letztes Jahr ausschließlich für das Abitur bzw. die Oberstufe)? Nichts da, der neue Schwellenwert wird einfach verordnet, der Lehrer hat da gar nichts mehr zu melden.

Um Schüler aufs Abitur vorzubereiten!

Das schriftliche bayerische Abitur ist inzwischen derart läppisch, das kann ein durchschnittlicher 10.-Klässler nach spätestens vier Wochen. Die meisten meiner 10.-Klässler kommen beim Hörverstehen genauso auf ihre ca. 16 Punkte (von 20) wie meine Abiturienten. Angesichts der absurd langen Zeit und der Tatsache, dass sie ein zweisprachiges Lexikon verwenden dürfen, verstehen auch mittelmäßige Schüler zumindest den Sachtext weitgehend problemlos (Hintergrundwissen brauchen sie ja eh nicht). Und man benötigt nun wirklich keinen großen Wortschatz um in lächerlichen 250 Wörtern darüber zu schreiben, ob Zoos (2016/II, 1.) bzw. der Muttertag (2014/I, 1.) abgeschafft werden sollten. Der größten Dumpfbacke habe ich nach spätestens zwei Wochen beigebracht, dass der Aufsatz eine kurze Einleitung, einen erkennbaren Hauptteil und einen kurzen Schluss haben muss. Und die Mediation ist eh so wischiwaschi, das können 10.-Klässler (wieder mit Hilfe des zweisprachigen Lexikons) auch schon längst.

Um den Lehrplan zu erfüllen!

Wie und vor allem wozu soll man noch „lehren“, wenn für die Schüler von vorneherein völlig klar, dass absolut NICHTS von all dem jemals „drankommt“? Wenn man ehrlich wäre, müsste man in der ersten Stunde eines neuen Q-Kurses sagen: „Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass Sie – vorausgesetzt Sie machen in Englisch das schriftliche Abitur – nichts von all dem, was wir in den nächsten zwei Jahren machen werden, jemals in einer Klausur benötigen bzw. reproduzieren müssen.“

Ich frage mich, was im neuen/alten G9 eigentlich quälende DREI Jahre lang gemacht werden soll. Ständig lese ich was von „vertieftem“ Lernen. Was soll da bitteschön „vertieft“ werden? Um Lernen „vertiefen“ zu können, müsste ja überhaupt erstmal irgendein Lernen stattfinden. Der „Unterricht“ findet inzwischen häufig auf einem derart armseligen Niveau statt, dass man selbst auf die Frage, was denn eigentlich derzeit das Thema des Unterrichts sei, meist nur ein müdes Schulterzucken erntet. „Lehren“ wir in Zukunft drei Jahre lang, dass ein Aufsatz eine Einleitung haben und man bei der Beantwortung einer Frage korrekt zitieren sollte?

Früher gab es noch die schöne „Lernzielkontrolle“. Es sollte etwas gelernt werden, das Lernen sollte ein klar definiertes „Ziel“ haben und der Lehrer sollte „kontrollieren“, ob es geklappt hat. Inzwischen hat der Begriff vor allem in der Oberstufe komplett seinen Sinn verloren. Es wird nichts mehr gelernt, folglich kann es auch keine Ziele mehr geben, die man kontrollieren könnte. Checks and Balances? Egal, darf in einer Klausur nicht mehr abgeprüft werden. Shakespeare Sonette? Dürfen als Text in einer Klausur nicht mehr verwendet werden, im Abitur gibt’s ja nur Prosa. Politische Reden analysieren? Wozu, wenn die Schüler ganz genau wissen, dass in einer Klausur keine Rede „drankommt“? An einigen Schulen geht es ja inzwischen schon so weit, dass selbst Stilmittel als zu „wissensorientiert“ nicht mehr abgeprüft werden dürfen, weil sie im Abitur auch nicht mehr verlangt werden.

Richtig irre ist ja auch, dass man selbst sprachpraktische Dinge (wie Zeiten, Bedingungssätze, indirekte Rede usw.) nicht mehr prüfen darf (sind ja schließlich kein „Abiturformat“). Selbst in einer 11ten bekomme ich immer öfter Sachen wie „He didn’t wanted / She don’t goes / If he would have tell me / She have not went“ usw. Selbst die primitivsten Fachbegriffe bzw. Konzepte (wie Infinitiv, Gerund, simple past vs. present perfect etc.) werden nicht mehr beherrscht, von einem differenzierten Wortschatz mal ganz zu schweigen. Da gibt es doch tatsächlich immer noch so verbohrte Sturschädel, die meinen, dass Schüler in einer Sprache Wortschatz lernen und Grammatik beherrschen und der Lehrer das auch regelmäßig überprüfen sollte …

Um die Schüler auf das Kolloquium vorzubereiten!

Stimmt, im mündlichen Abitur („Kolloquium“) soll der Schüler plötzlich zeigen, dass er etwas weiß – also genau das, was vorher zwei (bzw. in Zukunft wieder drei) Jahre STRIKT VERBOTEN war! Aus diesem Grund rate ich auch jedem Schüler vom Kolloquium ab: Wie soll er plötzlich etwas können, das er vorher nicht üben durfte?

Ausblick

Die Verblödung geht munter weiter: Schon jetzt gelten die neuen Bewertungsrichtlinien für „kleine Leistungserhebungen, die einen in der Abiturprüfung vorgesehenen Prüfungsteil umfassen“ (KMS S. 5). Der nächste Schritt wird sein, dass auch in Stegreifaufgaben/Exen NUR NOCH Abiturformate zugelassen sind, man also keinen Wortschatz (ggf. kombiniert mit Grammatik) bzw. (Hintergrund-)Wissen mehr abprüfen darf.

Was machen wir dann eigentlich in einem 20-minütigen KLN? Einen aus drei kurzen Absätzen bestehenden Text vorlegen und dazu eine Frage stellen? Einen 120 Wörter „Aufsatz“ schreiben lassen? Drei kurze Absätze sprachmitteln?

Dann „stört“ eigentlich nur noch die „Rechenschaftsablage“, denn da kann man ja immer noch Wortschatz und Inhalte der letzten Stunde abprüfen. Am besten verbietet man sie gleich komplett, alternativ kann man verordnen, dass nur noch über „kommunikativ relevante“ Themen wie Wetter, Fußball oder Autos gesprochen werden darf.

Fazit

Als ich vor mehr als 30 Jahren angefangen habe zu unterrichten, war Englisch ein tolles, anspruchsvolles, „gymnasiales“ Fach. Mit der Einführung des G8 begann ein für unmöglich gehaltener Niedergang. Der Tiefpunkt ist noch gar nicht erreicht, aber schon jetzt ist es ein Deppenfach, in dem – koste es was es wolle – nur noch gute Noten/Punkte produziert werden sollen. Unterricht bzw. Lehren im traditionellen Sinne findet nicht mehr statt.

HW India’s Blessed Bovines

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